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Konjunktur: Zurück zu normal

Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühsommer 2019

Das Wachstum der Südthüringer Wirtschaft geht weiter, allerdings langsamer als zuletzt. Die Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) erwartet für Südthüringen in 2019 preisbereinigt ein Wirtschaftswachstum um 1,5 Prozent. Die Wachstumsträger sitzen im Inland. Es sind zum einem diejenigen Industriebetriebe, die ihre Kapazitäten erweitern müssen und auf diese Weise dem Baugewerbe weiteren Hochbetrieb bescheren. Es sind zum zweiten viele unternehmensnahe Dienstleister, die das Wachstum flankieren. Zum Dritten sind es die Endverbraucher mit hohen Lohnzuwächsen und steigenden Rentenbezügen.

Der Konjunkturklimaindikator der IHK Südthüringen signalisiert in diesem Frühsommer eine Wachstumseintrübung. Er erreicht 111,1 Punkte, 2 Punkte weniger als zu Beginn des Jahres. 44 Prozent der Unternehmen bewerten die Lage als gut und 43 Prozent als saisonüblich bzw. befriedigend. In den kommenden Monaten rechnen 16 Prozent mit einer besseren Geschäftslage, weitere 63 Prozent gehen von einem unveränderten Geschäftsniveau aus.

„Die Rahmendaten aus den Unternehmen sind grundsätzlich positiv. Es gibt eine hohe Auslastung in der Industrie und eine starke heimische Nachfrage. Allerdings wird der Absatz der Südthüringer Autozulieferer noch immer durch Anpassungsschwierigkeiten großer Markenhersteller an den neuen Abgasstandard WLTP gestört. Zudem wird das Auslandsgeschäft durch die Handelssanktionen der USA behindert. Die Unternehmen erwarten jedoch, dass es im weiteren Jahresverlauf Umsatzsteigerungen geben wird. Wir gehen daher von einer Wachstums-delle ähnlich wie in 2012 aus“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Bau- und Gastgewerbe sowie Dienstleistungswirtschaft florieren
In den letzten Monaten hat sich die Stimmung in drei Branchen verbessert. Im Baugewerbe entwickelt sich insbesondere der gewerbliche Bau hervorragend. In der Gesamtbranche sind 80 Prozent der Unternehmen mindestens für zwei Monate mit Aufträgen versorgt, die Hälfte davon sogar für vier Monate und länger. In der Dienstleistungswirtschaft entwickeln sich insbesondere für Unternehmen aus den Bereichen Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie Information und Kommunikation die Geschäfte überdurchschnittlich gut. Für das Grundstücks- und Wohnungswesen werden hingegen nach den vielen Boomjahren die Zuwächse kleiner.

Im Gastgewerbe meldet das Beherbergungssegment für die ersten Monate dieses Jahres gute Geschäfte und Gastronomen erwarten im laufenden Jahr eine hervorragende Entwicklung. Die umsatzstarken Monate beginnen mit der Biergartensaison und reichen über die Martinsgans bis hin zu Weihnachten und Silvester.

„Hier wirken die niedrige Arbeitslosigkeit und die gute Einkommensentwicklung zusammen. In Thüringen sind in 2018 die Verdienste in der Privatwirtschaft um 3,9 Prozent gestiegen. Es handelte sich um den höchsten Anstieg in den neuen Bundesländern und nach Bayern und Berlin um den dritthöchsten bundesweit. Das Gastgewerbe profitiert hiervon. Weniger gut ist die Stimmung im Einzelhandel. Auch die Südthüringer Endverbraucher shoppen zunehmend online. Der stationäre Handel muss daher den Eventcharakter des Einkaufs erhöhen – und die Sortimente stärker auf die weniger internetaffinen Senioren ausrichten“, empfiehlt Pieterwas.

Uneinheitliches Bild in der Industrie
Ein uneinheitliches Bild liefert die Industrie. Die Branche erwartet im Durchschnitt ein Umsatzwachstum um 6 Prozent. Zugleich hat sich jedoch die Stimmung in einzelnen Wirtschaftszweigen wie etwa der Herstellung von Kunststoff, der Herstellung von Metallerzeugnissen und des Maschinenbaus verschlechtert. In diesen Wirtschaftszweigen ist der Auftragseingang für viele Unternehmen zurückgegangen. Erheblich besser ist die Entwicklung dagegen in der Optoelektronik. Für die Industrie als Ganzes ergibt sich ein Auslastungsgrad der Kapazitäten von 80 Prozent und mehr für zwei von drei Unternehmen. 35 Prozent verfügen sogar über voll ausgelastete Kapazitäten und werden in den kommenden Monaten in deren Erweiterung investieren.

Im Verkehrsgewerbe schließlich hat sich der Auslastungsgrad im Güterverkehr etwas reduziert. Noch immer erreichen aber drei von vier Fuhrunternehmen einen Auslastungsgrad von mindestens 70 Prozent. Der Wettbewerb um Aufträge hat stark zugenommen. Daher wächst die Kritik an den EU-Regeln, wonach ausländische Fuhrunternehmen im Inland Ware aufnehmen dürfen. Stärkere Kontrollen wären aus Sicht der Branche wünschenswert.

In den kommenden Monaten planen drei von vier Südthüringer Unternehmen aller Branchen Investitionen. Im Vordergrund stehen Modernisierungsmaßnahmen und Rationalisierungsinvestitionen. Hiermit reagieren die Unternehmen zum einen auf steigende Kosten, z. B. für Rohstoffe und Energie. Zum anderen kompensieren sie das Fehlen von Arbeitskräften, indem sie zunehmend Prozesse automatisieren.

Fachkräfteengpässe bleiben für die Mehrheit ein Unternehmensrisiko
Der Personalbereich wird zunehmend durch lange Vakanzen und das Fehlen von Mitarbeitern bestimmt. 71 Prozent der Unternehmen bewerten dies als größtes Konjunkturrisiko. Die Folgen sind fühlbar, wenn sich altersbedingt frei werdende Stellen nicht nachbesetzen lassen. Dies ist einer der Gründe, warum aktuell nur 9 Prozent der Unternehmen von einer zunehmenden Mitarbeiterzahl ausgehen, 15 Prozent dagegen einen Rückgang erwarten. Teilweise ist dies auch die Reaktion auf akut gefallene Umsätze.

„Die IHK Südthüringen empfiehlt den Unternehmen im Fall von Auftragsschwankungen, unbedingt die Mitarbeiter zu halten. Wer gut ist und freigesetzt wird, hat binnen weniger Tage einen neuen Job. Wir gehen davon aus, dass die Konjunktur weiterhin robust bleibt. Die Politik sollte daher wegen kurzfristiger Schwankungen nicht in Aktionismus verfallen. Wenn sie etwas für die Wirtschaft tun will, sollte sie die Standortbedingungen verbessern, Bürokratie abbauen und Steuern senken“, so Dr. Pieterwas.

Zur Information:
Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage der IHK Südthüringen im April 2019 sowie amtlichen Daten des Statistischen Bundesamts und der Agentur für Arbeit. Zur IHK Südthüringen gehören 28.500 Mitgliedsunternehmen. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 11.800 Dienstleister mit 56.200 Beschäftigten, gefolgt von 7.100 Handelsunternehmen mit 15.400 Beschäftigten. Zur Industrie gehören 2.500 Unternehmen mit 47.400 Beschäftigten.

Suhl, 29.05.2019